31C3 – Ein neuer Anfang

“A New Dawn” – das war das Motto des soeben zu Ende gegangenen 31. Chaos Communication Congress in Hamburg. Und mit genau diesem Gefühl fuhren wir gen Heimat: Die HackerInnengemeinde löst sich allmählich aus der Schockstarre, in die sie nach den Schreckensmeldungen der letzten 1,5 Jahre gefallen war.

Einfachere Verschlüsselung

Neben Vorträgen zu Sicherheitslücken, digitalen Selbstverteidigungsmaßnahmen und Einblicken in die Arbeit der NSA wurde der aktuelle Stand diverser, durch die Snowden-Enthüllungen motivierter Projekte präsentiert, die Verschlüsselung einfacher und somit massenkompatibler machen sollen. In diesem Jahr sind etliche Verbesserungen in diesem Bereich zu erwarten, die nicht nur technisch versierten Menschen zugute kommen werden.

Vielfalt und Offenheit

Auch 2014 widmeten sich zahlreiche Vorträge politischen, rechtlichen und sozialen Themen wie der Digitalen Agenda, den Handelsabkommen TTIP und CETA, dem Widerstand gegen Spionage und menschenverachtende Politik, der Situation Chelsea Mannings und dem Zustand der Hackergemeinde. In diesem Zusammenhang besonders erwähnenswert ist die Präsentation des “Zentrums für politische Schönheit”, das mit radikalem Aktivismus für enormes mediales Aufsehen sorgte, sowie der Rant des IT-Rechtlers Walter van Holst, der den Personenkult und das Stammessystem in der Hackerszene anprangerte.

Zusätzlich erzeugten 238 selbstorganisierte Sessions und fast ebenso viele Assemblies eine Atmosphäre von Vielfalt, Selbständigkeit und Offenheit, die sich auch in der Diversität der KongressbesucherInnen widerspiegelte: Neben dem vorwiegend weißen, männlichen Nerd trafen wir Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen, der Anteil der nicht-männlichen TeilnehmerInnen war erfreulich hoch. Lobenswert sind auch die offenbar erfolgreichen Bemühungen, Kinder und Jugendliche fürs Thema zu begeistern – der Kongress wurde wiederholt als der “kinderfreundlichste überhaupt” bezeichnet.

Demokratie, Freiheit und Grundrechte

Viele etablierte NGOs sowie unbekanntere Gruppierungen präsentierten ihre Arbeit gegen die Massenüberwachung und den Abbau von Grundrechten. Wir begegneten wunderbaren, engagierten Menschen, mit denen wir eine bessere Zusammenarbeit diskutierten und erste konkrete Pläne zu gemeinsamen Aktionen und der weiteren Vernetzung schmiedeten. Diese auf dem Kongress intensivierten Bestrebungen führen wir mit VertreterInnen etlicher Gruppen kommende Woche auf dem AKtiVCongreZ in Hattingen fort.

FsA beim 31C3

Am 29. Dezember trafen sich etwa 150 KongressteilnehmerInnen zu einer “Freiheit statt Angst”-Spontandemo, ausgerüstet mit Camheads, Bannern und Schildern zum Protest gegen den Überwachungsstaat – für eine freiheitliche, demokratische und aufgeschlossene Gesellschaft. Update: Bilder von der Demo bei Flickr.

Wir gehen zuversichtlich und motiviert ins neue Jahr.